Über das inhaltlich flexible Training der ersten Zeit habe ich bereits unter "Das erste Training" geschrieben. Soweit hatte sich dieses Trainingskonzept der allgemeinen Ahnungslosigkeit sehr gut bewährt, sorgte es doch für die individuelle Zufriedenheit bei den Spielern. Das jedoch sollte sich plötzlich ändern.

Wir waren mittlerweile als Fachschaft beim 1.FC Nord untergekommen und trainierten auf einem kleinen Handballrasenplatz. Die Fraktion der Taunussteiner Spieler musste jetzt nicht mehr den ganzen Weg durch Wiesbaden bis zu den Rheinwiesen fahren. Das Training beim 1.FC Nord bedeutete eine Fahrzeitersparnis von mindestens 30 Minuten für jeden, der jenseits der Hügel wohnte.

Es war bereits Herbst, als ein Typ mit Footballausrüstung zu Beginn des Trainings auftauchte und sich beschwerte, wir wären ja verdammt schwer zu finden. Er hätte von der Gründung einer Footballmannschaft in Wiesbaden gerüchteweise gehört und uns wochenlang gesucht. Jemand hielt ihm das Argument entgegen, deshalb heißen wir auch Phantoms! Der Neuankömmling heißt Sven Jacob, wohnte in Wiesbaden und spielte bei den Frankfurter Löwen.

Sven Jacob
Sven Jacob 1985 (Foto: Howard Fuhs)

Als er unsere Vorbereitungen zum Aufwärmtraining und unsere Abstimmrituale zum Trainingsinhalt sah, muß ihm schlagartig klar gewesen sein - so wird das nichts. Er riss kurzerhand das Ruder an sich und erklärte uns, wie ein richtiges Training auszusehen hat. Er hatte schließlich die Trainingserfahrung durch die Frankfurter Löwen.

  • Keine Aufwärmtraining mehr ohne Ausrüstung - die Ausrüstung ist bei ALLEN Übungen zu tragen.

  • Keine Abstimmungen mehr über die Übungen - es werden ALLE Übungen gemacht.

  • Keine individuellen Übungsmengen mehr - Alle Übungen werden unter lautem Abzählen und im Takt mindestens zwanzig Mal gemacht.

  • Jedes Versagen wurde mit Liegestütze bestraft.

  • Es hatte etwas vom Ausbildungslager der Légion étrangère.

    "Fortschritt ist das Werk der Unzufriedenen."
    - Jean-Paul Sartre

    Und wir machten Fortschritte. Im Schweiße unseres Angesichts und anderer Körperteile. Das neu strukturierte Training und die Erfahrung die Sven aus Frankfurt mitbrachte, waren ohne Zweifel der erste Schritt in Richtung erfolgreicher Ligateilnahme 1985. So wurde aus dem Neuzugang Sven Jacob auch gleich der Interimscoach der Wiesbaden Phantoms bis im Januar 1985 erfahrene Coaches das Training und die Mannschaft übernehmen sollten. Aber das ist eine andere Geschichte.

    Stay tuned for more to come and don't forget to support the Wiesbaden Phantoms!

    Have fun!
    Howard #70

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